Von meinem besten Freund beansprucht, Roman · Kapitel 1 von 24
Kapitel 1: Das Geständnis
Am Abend, bevor die Abschlusswoche begann, sagte ich Dane Mahoney vor zweihundert Leuten, dass ich ihn mochte.
Es war die Party der Abschlussklasse auf dem Innenhof, mit einem Bierfass auf den Bibliothekstreppen und Musik aus dem Lautsprecher von irgendwem.
Malachi begleitete mich dorthin.
Malachi war seit der ersten Woche im ersten Studienjahr mein bester Freund. Damals wohnte er gegenüber auf dem Flur und lieh mir einen Schraubenzieher.
Er zog einen Zwanziger aus der Tasche und drückte ihn mir in die Hand.
„Für den Bus nach Hause“, sagte er.
Der Schein war frisch und knackig, noch mit einer Papierbanderole um den Stapel. Sein ganzes Bargeld sah so aus. Er nannte es Nachhilfegeld.
„Ich kann dein Nachhilfegeld nicht schon wieder nehmen“, sagte ich. „Dad kommt mit der Rückzahlung des Kredits von diesem privaten Geldverleiher in Atlantic City ohnehin schon nicht hinterher. Ich kann niemandem sonst auch noch etwas schulden.“
Malachi erstarrte. Er fragte nicht, wer der Geldverleiher war.
„Nimm es“, sagte er. „Geh.“
„Was, wenn er lacht?“
„Dann stehe ich genau hier.“ Malachi sah zu den Stufen, nicht mich an. „Egal, was er sagt, ich bin hier.“
Ich war zweiundzwanzig. Ich mochte Dane Mahoney seit der ersten Woche im ersten Studienjahr. Damals hatte er mir die Tür aufgehalten und mich Liebling genannt, ohne aufzusehen.
Jeder wusste, wie er drauf war. Jeden Monat nahm er ein anderes Mädchen mit nach Hause, und keine von ihnen sah aus wie ich.
Ich hatte kaum Busen und war dünn, mit einem unscheinbaren Gesicht und einem Pferdeschwanz. Das wusste ich.
Trotzdem ging ich hin.
Dane stand mit einem roten Becher auf den Stufen und lachte mit vier Jungs aus seiner Clique.
„Dane“, sagte ich. „Kann ich dir etwas sagen?“
„Kate Flanagan.“ Er lächelte. Er hatte ein umwerfendes Lächeln. „Klar.“
Mein Mund war trocken.
„Ich mag dich, seit wir im ersten Studienjahr angefangen haben“, sagte ich. „Ich wollte, dass du es weißt. Das ist alles.“
Die Leute in unserer Nähe verstummten. Einer seiner Freunde hielt ein Handy hoch.
Danes Lächeln verrutschte nicht. Langsam musterte er mich von oben bis unten, von meinen Turnschuhen bis zu meinem Pferdeschwanz.
„Das ist süß“, sagte er. „Ehrlich. Aber du bist nicht mein Typ, Kate.“
Jemand lachte.
„Nicht mal annähernd“, sagte er. „Sieh dir die Mädchen an, mit denen ich nach Hause gehe, und dann sieh in den Spiegel. Du siehst es doch, oder?“
Noch mehr Leute lachten. Das Handy blieb oben.
Ich spürte, wie mir das Gesicht heiß wurde. Meine Füße wollten wegrennen.
Ich suchte unten an den Stufen nach Malachi, aber er war nicht da.
Er stand oben auf der Bibliothekstreppe, hinter der Menge, ganz still im Licht, das aus den Türen fiel.
Er sah Dane an, nicht mich.
Dann bemerkte auch Dane das Handy, und sein Gesichtsausdruck änderte sich. Er hörte auf zu höhnen und setzte einen gütigen Blick auf.
„Ach, komm her“, sagte er laut und zog mich in eine Umarmung. „Sie zittert, Leute. Ich bin doch kein Monster.“
Seine Arme legten sich um mich. Sein Mund war an meinem Ohr.
„Lächle“, flüsterte er. „Sie filmen.“
Die Leute jubelten. Jemand sagte, das sei die netteste Abfuhr aller Zeiten.
Ich stand steif in seinen Armen und begriff, dass er sich durch mich als netter Kerl darstellen wollte.
Ich stieß ihn von mir.
„Danke, dass du ehrlich warst“, sagte ich. Meine Stimme zitterte, aber für das Handy war ich laut genug. „Jetzt weiß ich, was es wert war, dich drei Jahre lang zu mögen.“
Dane öffnete den Mund.
Ich wartete nicht ab. Ich drehte mich um und ging die Stufen hinunter, mitten durch die zweihundert Leute.
Niemand hielt mich auf.
Ich sah zur Bibliothekstreppe hinauf. Sie war leer.
Vom Weg aus rief ich Malachi an. Ich landete auf der Mailbox.
Ich rief noch einmal an, vom Parkplatz vor dem Wohnheim aus, und dann noch einmal im Treppenhaus.
„Mal, ich bin’s“, sagte ich auf die dritte Nachricht. „Er hat Nein gesagt. Wo bist du? Bitte ruf mich an.“
Seine Tür war nicht abgeschlossen. Um zwei Uhr morgens stieß ich sie auf.
Die Lampe brannte.
Sein Bett war bis auf die Matratze abgezogen. Die Regale waren leer, und im Schrank hing nichts mehr.
Mein grauer Cardigan, den ich im März in seinem Zimmer vergessen hatte, lag zusammengefaltet auf dem Schreibtisch. Sein Zimmerschlüssel lag darauf.
Ich stand lange da und hielt ihn fest.
Um sechs rief ich noch einmal an, weil ich einfach nicht aufhören konnte.
Eine Frauenstimme vom Anrufbeantworter meldete sich.
„Die von Ihnen gewählte Rufnummer ist nicht mehr in Betrieb.“